NAME: Firsov Valeriy Yevgeniyevich
Geburtsdatum: 16. Oktober 1956
Aktueller Stand in der Strafsache: Angeklagter
Artikel des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation: 282.2 (1)
In Gewahrsam genommen: 2 Tage in der vorläufigen Haftanstalt, 44 Tage Unter Hausarrest
Derzeitige Einschränkungen: Hausarrest

Biographie

Waleri Firsow übt die Religion der Zeugen Jehovas seit mehr als einem halben Jahrhundert aus. In dieser Zeit war er zweimal in Haft: Das erste Mal zu Zeiten der Sowjetunion, weil er sich weigerte, eine Waffe in die Hand zu nehmen und nicht zum Militär ging, das zweite Mal im Sommer 2026, als man ihn des Extremismus beschuldigte.

Waleri wurde im Oktober 1956 in Dshezkasgan (Kasachstan) geboren. Sein Vater leitete bis zum Renteneintritt das Heizwerk eines holzverarbeitenden Betriebs, seine Mutter arbeitete als Laborantin in einem Bauunternehmen. In der Familie wurden fünf Kinder geboren.

Als Kind begeisterte sich Waleri für Fotografie, besonders mochte er das Entwickeln und Drucken der Fotos. „Mich faszinierte es jedes Mal, wenn sich das Bild langsam im Entwicklerbad auf dem Fotopapier abzeichnete“, erzählte er. Im Winter spielte Waleri Eishockey, im Sommer Fußball, und er fuhr mit Freunden zum Angeln.

„Meine Mutter las uns spannende biblische Geschichten über Noah, Abraham, Josef und andere vor. Diese haben sich tief in meinem Kopf und Herz eingeprägt“, erinnert sich Waleri.

Waleris Mutter ließ sich 1958 als Zeugin Jehovas taufen. Zunächst teilte der Vater ihre Überzeugungen nicht. Einige Zeugen Jehovas arbeiteten mit ihm im Heizwerk – als er sie beobachtete, begann er allmählich, sie zu respektieren: Sie waren ehrliche und zuverlässige Arbeiter. Nach seiner Pensionierung begann das Familienoberhaupt selbst, die Bibel zu studieren, und ließ sich später ebenfalls taufen. 1993 verstarb er. 2022 starb einer von Waleris Brüdern an einer schweren Krankheit, ein Jahr darauf auch die Mutter.

Waleri wurde 1972 Zeuge Jehovas. Einige Jahre später wurde er zum Wehrdienst einberufen. Wegen seiner religiösen Überzeugung wurde der junge Mann für 2 Jahre ins Straflager geschickt. Nach fünf Monaten bot man dem jungen Firsow die Entlassung im Gegenzug für einen Verzicht auf seine Überzeugungen an. Waleri lehnte ab. Andere Häftlinge sagten: „Es wäre doch nichts passiert: Du hättest einmal gesündigt, gesagt, dass du bereit bist, zum Militär zu gehen – und danach dein Leben wie bisher fortsetzen können.“ Der Gläubige erinnert sich: „Ich habe es keine Sekunde bereut, dass ich so gehandelt habe, aber ich fühlte mich einsam. Als alles vorbei war, kam ein Insasse zu mir und sagte: ‚Ich bin zwar kein Gläubiger, aber ich sage dir: Du hast dich wie ein richtiger Mann verhalten!‘ Und er schüttelte mir kräftig die Hand.“

Seine spätere Frau lernte Waleri im Herbst 1978 in Dshambul kennen, ein Jahr darauf heirateten sie. Walentina teilt seine Lebenseinstellung. Das Ehepaar hat zwei Söhne und eine Tochter großgezogen. Walentina arbeitete unter anderem als Brückenkranführerin und als Telegrafistin. Sie malt gerne Landschaften mit Acrylfarben. Waleri erlernte im Laufe seines Lebens verschiedene Berufe, darunter Dreher und Monteur für Hausgasinstallationen. Inzwischen sind beide in Rente.

Im Lauf seines Lebens ist Waleri mehrmals umgezogen: nach Dshezkasgan, nach Dshambul und nach Karagaili (Kasachstan). Seit 1982 lebt er mit seiner Familie auf Einladung der Eltern seiner Frau in Jarowoje, Region Altai.

Wegen der Strafverfolgung wurde Waleri unter Hausarrest gestellt. Sein Konto wurde gesperrt und er durfte nur mit seiner Frau und den Kindern Kontakt halten. Bei beiden Ehepartnern verschlechterte sich das Wohlbefinden und der Schlaf. Der Gläubige berichtete außerdem, dass der Ermittler während der Akteneinsicht schrie und Drohungen aussprach. Er riet Waleri, „auf seine Überzeugungen zu verzichten und so in Freiheit zu kommen“.

Nach Firsows Worten verbreitete sich die Nachricht von seiner Inhaftierung schnell in der ganzen Stadt, in der man ihn seit langem als Zeugen Jehovas kennt. „Alle, denen meine Frau begegnete, waren überrascht“, berichtete der Gläubige, „einige drückten mit Tränen in den Augen ihr Mitgefühl aus und wünschten uns Geduld, besonders die Nachbarn im Haus. Unsere Angehörigen und Freunde unterstützen uns spürbar.“

Fallbeispiel

Im Juni 2026 nahmen Mitarbeiter der Ermittlungsbehörde in den Städten Jarowoje und Slawgorod im Altai-Gebiet die älteren Gläubigen Walerij Firsow und Wiktor Kowalenko fest, die der Religion der Zeugen Jehovas angehören. Sie wurden als Verdächtige der Beteiligung an extremistischen Aktivitäten vernommen und inhaftiert. Am nächsten Tag erhoben die Behörden Anklage gegen sie wegen Organisation der Tätigkeit einer extremistischen Vereinigung. Einige Monate zuvor hatten Hausdurchsuchungen bei den Gläubigen stattgefunden. Nach ihrer Festnahme wurden sie unter Hausarrest gestellt. Im selben Monat wurde der Fall an das Gericht übergeben.
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