Das Wertvollste können Menschen nicht nehmen – vier Zeugen Jehovas aus Straflagern mehrerer Regionen Russlands entlassen
Udmurtien, Gebiet Irkutsk, Adygeja, Tschuwaschien, Burjatien, Altaisky-Territorium, Leningrader GebietAm 22. September 2026 wurden Maxim Derendjaew, Denis Saraschakiw, Igor Popow und Nikolai Saparow aus Straflagern in Tschuwaschien, Burjatien, dem Altai-Gebiet und der Region Leningrad entlassen. Es handelt sich um Zeugen Jehovas, die nach Artikel 282.2 (1) des russischen Strafgesetzbuches verurteilt wurden. Wegen ihrer Religionsausübung verbrachten sie zwischen zweieinhalb und nahezu fünf Jahren in Haft.
Igor Popow

Igor ist ein 39-jähriger Zeuge Jehovas aus Mezhduretschensk in der Region Kemerowo. Im November 2021 wurde er festgenommen und nach Irkutsk überführt – 1.500 Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Als das Urteil – sechs Jahre und vier Monate Freiheitsentzug – rechtskräftig wurde, kam Igor ins Straflager Nr. 5 im Altai-Gebiet.
„Im Gefängnis begegnete man ihm unterschiedlich“, erinnert sich Mangira, Igors Ehefrau. „Es gab auch solche, die ihn ablehnten, weil er ein Zeuge Jehovas ist – dann gewann Igor aber durch seinen Verhalten ihren Respekt. Einer von ihnen beobachtete, wie Igor ehrlich arbeitete, und als er entlassen wurde, umarmte er ihn und entschuldigte sich für sein Verhalten.“ Popow halfen seine Beziehung zu Gott, körperliche Betätigung und die Unterstützung seiner Mitgläubigen, standhaft zu bleiben.
Denis Saraschakiw

Denis, ein 38-jähriger Zeuge Jehovas aus Chakassien, war im selben Strafverfahren wie Popow angeklagt. Seine Strafe verbüßte Denis im Straflager Nr. 1 der Republik Burjatien. Dort arbeitete er zunächst als Tischler, später in der Souvenirwerkstatt. Die Verwaltung sprach Denis zweimal Belohnungen aus: einmal für das Anfertigen von Spielzeug für ein Kinderheim und einmal für einen Preis beim Tischtennisturnier.
Denis erhielt regelmäßig Briefe von Angehörigen und Freunden. Sie unterstützten ihn nicht nur emotional, sondern auch praktisch: Die Matratzen im Lager sind dünn, daher nutzte Denis sie zusätzlich als Unterlage.
Maxim Derendjaew

Maxim, ein 40-jähriger Bewohner von Ischewsk, verbrachte etwas mehr als zweieinhalb Jahre hinter Gittern. Das Urteil – drei Jahre Lagerhaft – erteilte das Gericht im Mai 2024. Ab Februar 2025 befand sich Maxim im Straflager Nr. 1 der Republik Tschuwaschien. Während seiner Haft nahm Maxim an einem regionalen Bibelwissen-Wettbewerb teil und belegte den ersten Platz.
„Wenn du alles verlierst, wird dir klar, dass ein Mensch zum Leben eigentlich nicht viel braucht – eine Schüssel und einen Löffel. Mein Blick auf viele materielle Dinge hat sich geändert. Das Wertvollste kann einem niemand nehmen – das sind das Gebet und die Freundschaft mit Gott“, so Maxim und seine Ehefrau Tatjana.
Nikolai Saparow

Nikolai ist ein 44-jähriger Bewohner von Maikop; er ist mit Natalja verheiratet und das Paar hat eine Tochter. Seit März 2022 befand sich Nikolai in Haft. Bei der Festnahme setzte man Gewalt ein, um ihn dazu zu bringen, Extremismus zuzugeben. Das Gericht verurteilte Nikolai zu sechs Jahren Lagerhaft. Im letzten Jahr wurde er im Straflager Nr. 5 für Sankt Petersburg und die Region Leningrad untergebracht. „Egal wo Kola war, hatte er einen sehr guten Ruf – sowohl unter den Gefangenen als auch bei der Verwaltung. Einige bemühten sich extra um eine Verlegung in seine Zelle. Die Gefangenen sagten zu ihm, dass bei ihm ein ,Tender‘ veranstaltet wurde“, sagte Natalja.
Stand 22. September 2026 bleiben noch immer fast 170 Zeugen Jehovas hinter Gittern.












