Dmitri Sagulin vor dem Straflager
"Wir sind all diesen Ereignissen mit einem Lächeln begegnet" — Dmitri Sagulin aus dem Straflager Blagoweschtschensk entlassen
Jüdisches Autonomiegebiet, Amur RegionAm 27. März 2026 wurde der Zeuge Jehovas, Dmitri Sagulin, aus der Haft entlassen. Er und drei Mitgläubige wurden wegen der Teilnahme an Gottesdiensten verurteilt – Handlungen, die die Ermittler mit der "Organisation der Aktivitäten einer extremistischen Organisation" gleichsetzten. Insgesamt verbrachte Dmitri 1.191 Tage hinter Gittern.
Dmitri hatte viele Jahre bei der Russischen Eisenbahnen AG gearbeitet. Die Geschäftsleitung schätzte ihn und belobigte ihn wiederholt für seinen gewissenhaften Dienst. Im Mai 2018 kam für Sagulin und seine Mitgläubigen ein "Gerichtstag" – so wurde die Sonderoperation genannt, während welcher eine groß angelegte Razzia bei Zeugen Jehovas in Birobidschan durchgeführt wurde. Zehn Monate später wurde ein Strafverfahren gegen Dmitri eröffnet.

Die Untersuchung brachte zusätzliche Schwierigkeiten mit sich: Dmitri wurde auf die Rosfinmonitoring-Liste gesetzt, seine Bankkonten wurden eingefroren und im November 2021 wurde ihm gekündigt. Im Dezember 2022 wurde Sagulin zu 3,5 Jahren in einem Straflager verurteilt und direkt im Gerichtssaal in Gewahrsam genommen. "Wir begegneten all diesen Ereignissen mit einem Lächeln, weil wir verstanden, dass wir nicht als Diebe oder Mörder verurteilt wurden, sondern dass wir für den Namen Gottes litten", sagte er über diesen Lebensabschnitt.
Dmitri verbüßte seine Strafe in Blagoweschtschensk in der Strafkolonie Nr. 8. Obwohl der Kontakt mit der Außenwelt auf Besuche und gelegentliche Briefe beschränkt war, half ihm seine optimistische Einstellung, die Gefangenschaft zu ertragen. "Wenn du anfängst, dich selbst zu bemitleiden, wird es unerträglich", stellte er fest. Stattdessen passte er sich den neuen Umständen an: "Wenn du einfach nur 'im Gefängnis sitzt', leidest du; aber wenn du 'lebst', ist alles in Ordnung." Dmitri hielt sich, zum Beispiel, an eine feste tägliche Routine: er versuchte, nach der Zeit von Birobidschan (4 Uhr morgens Ortszeit) aufzustehen, trainierte regelmäßig und verbrachte die Wochenenden in der Bibliothek.
Die Strafverfolgung wegen seines Glaubens endete nicht mit seiner Freilassung: für Dmitri wurde durch Gerichtsentscheid Führungsaufsicht angeordnet. In den nächsten 8 Jahren muss er sich viermal im Monat bei der Polizei melden; es ist ihm verboten, Birobidschan zu verlassen, sich zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens außerhalb seines Hauses zu befinden und Cafés und Restaurants aufzusuchen.
Dmitri sagt, jetzt fühlt er sich "wunderbar" und freut sich, seine Familie und Freunde wiederzusehen. "Ich bin von Emotionen überwältigt", sagte er. "Ich habe viele Pläne. Zum Beispiel möchte ich mir selbst etwas gönnen – ich habe schon lange kein Eis mehr gegessen. Ich möchte mit Freunden treffen, zusammensitzen, reden, einander ermuntern. Es gibt so vieles was ich tun möchte. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll."



