Letztes Wort der Angeklagten Jelena Mironowa in Tscheljabinsk
„Zeuge Jehovas zu sein ist in Russland kein Verbrechen ... Lieder singen, Bibel lesen, beten, sich mit Mitgläubigen austauschen – wie kann das die Grundlagen unseres Staates erschüttern?“, fragte Jelena das Gericht.
Wortlaut:
Sehr geehrtes Gericht! Zu Beginn möchte ich allen Anwesenden für ihre Teilnahme an diesem nicht einfachen Verfahren danken.
Danke Ihnen, Ihre Ehren, für die souveräne Leitung der Verhandlungen und Ihren Professionalismus. Wenn ich etwas juristisch falsch verstanden habe, haben Sie geduldig erklärt. Vielen Dank, dass Sie meine Anträge aufmerksam angehört und berücksichtigt haben.
Meinem Verteidiger danke ich für die Unterstützung während der Verhandlungen, und für hilfreiche Ratschläge und Zuspruch. Es war mir wertvoll, dass Sie meinen Überzeugungen mit Respekt begegneten, sich Zeit genommen und sich in mein Anliegen eingearbeitet haben, obwohl das für Sie neu war. Die Zusammenarbeit mit Ihnen war sehr angenehm und unkompliziert. Sie besitzen ausgezeichnete Eigenschaften und sind ein sanfter, freundlicher Mensch.
Auch dem Protokollführer möchte ich danken, denn dank Ihrer Arbeit wird der Prozess transparent. Besonderen Dank Ihnen für Ihr taktvoll Verhalten, Ihre Höflichkeit, Ihr Wohlwollen und Ihre respektvolle Haltung.
Der Anklageseite danke ich für den ruhigen Umgang mit mir. Es bedeutete mir viel zu hören, dass Sie den Namen meines Gottes – Jehovas – korrekt und respektvoll ausgesprochen haben.
Und natürlich gilt ein besonderer Dank meiner lieben Tochter und meinen Freunden für Unterstützung und Hilfe. Danke euch, meine Freunde! Eure Anwesenheit, Umarmungen und Lächeln haben mich ermutigt und mir Kraft gegeben.
Und das Wichtigste: Ich danke meinem Gott Jehova, der mir Kraft gibt, diese schwierige Lebensperiode zu überstehen!
Ihre Ehren, ich hätte nie gedacht, dass ich als gesetzestreue Gläubige auf der Anklagebank sitzen würde. Die Verfolgung durch staatliche Stellen hat mein Leben und mein emotionales und körperliches Wohl dauerhaft geprägt. Seit vier Jahren lebe ich ständig unter Stress und Sorge – und all das wegen einer ungerechtfertigten Anklage wegen Extremismus.
All diese Schwierigkeiten erschweren mein Leben, aber ich verstehe, warum das …