„Ich respektiere die Gesetze des Landes, in dem ich lebe. Und das tue ich nicht aus Angst vor Strafe, sondern weil es richtig ist und weil die Bibel mich dazu ermutigt“, sagte die Gläubige in ihrer Rede.
Transkript:
Das ist wie eine Tradition, keine Förmelei – ich möchte allen Beteiligten im Verfahren meinen Dank aussprechen. Dmitri Sergejewitsch, Ihnen möchte ich besonders danken, vor allem dafür, dass Sie keine angespannte Atmosphäre geschaffen haben. Natürlich werden wir einer schweren Straftat beschuldigt, aber ich hatte das Gefühl, Sie haben uns nicht als hoffnungslose, verhärtete Verbrecher betrachtet. Ich hätte nie gedacht, wie schwer das Richteramt ist.
Ich möchte erklären, wie ich in diesem Punkt meines Lebens gelandet bin. Ich wurde in einer ganz gewöhnlichen, einfachen, fleißigen Familie geboren. Ich war eine gute Schülerin. Ich kam ins Institut, und meine Berufswahl war ein voller Erfolg, weil ich von Kind an in diesem Umfeld war. Meine Mutter, meine Tante – Kinderärztinnen. Mir gefiel es, dass ich ständig mit Menschen zu tun hatte und ihnen helfen konnte. Man sieht die Früchte der eigenen Arbeit, es gibt immer Fortschritt, die Möglichkeit, voranzukommen und Neues zu lernen. Dann kam die Familie, die Geburt meines Kindes, die Arbeit im Notfalldienst, das ist eine Arbeit „mit Adrenalin“… Das Promotionsstudium, ich habe das Promotionsminimum abgelegt.
In der Psychologie gibt es einen Begriff – das „programmierende Ereignis“. Ein Junge sieht mit 5 Jahren einen Film über ein U-Boot und sagt: „Das war’s, ich werde U-Boot-Fahrer – komme, was wolle.“ Ich hatte zwei solche Ereignisse im Leben. Ich bin nicht mit meinem leiblichen Vater aufgewachsen. Mein Vater starb an schwerem Hirntumor. Die Frage „Warum?“ hat mich mein ganzes Leben begleitet. Er wurde hier gebraucht, auf der Erde, und nicht als Engel im Himmel. Ich habe lange mit diesem Gedanken gelebt. Und dann – das waren die schweren 1990er Jahre – geschah während der Facharztausbildung ein besonderes Ereignis: Wir wurden nachts zu einem kranken Kind gerufen. Die Mutter hatte einen älteren Sohn, der im Tschetschenienkrieg diente, und bei der Tochter war ein Rückfall des schweren lymphoblastischen Leukämie …